Rhapsody of Berlin

Paprika…

… oder gibt es ein Wort, das typischer wäre für Ungarn? Wenn Dániel Ember, Solohornist beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, den Schülern der 9. Klasse etwas auf Ungarisch erzählt, staunen sie nicht schlecht. Man versteht wirklich kein Wort! Die Bratsche heißt „brácsa“, das kann man (außer Paprika) noch verstehen. Aber die Geige heißt „hegedü“, Musikinstrument heißt „hangszer“ (wörtlich übersetzt „Ton-Mittel“).Und „Jó napot!“ heißt „Guten Tag!“. Mit dem Finnischen ist Ungarisch wohl verwandt, aber auch das hört man eigentlich nicht mehr. Die Sprache ist sozusagen ein Solitär.

2015-09-18 10.25.37

RSB-Solohornist Dániel Ember vor der Schule

Leichter zu verstehen ist die ungarische Tonsprache, die Volksmusik. Es gibt viele Volkslieder in Ungarn, erzählt Dániel, und die meisten sind traurig. Das läge wohl daran, dass das ungarische Volk oft sehr unzufrieden war, meint er. Musiktheoretisch hat es damit zu tun, dass die ungarische Musik häufig die pentatonische Skala benutzt, also von unserer siebenstufigen Tonleiter einfach zwei Töne auslässt. Daher klingen die Lieder auch oft recht ähnlich.
Dass die ungarischen Volkslieder auf der ganzen Welt bekannt sind, verdanken wir Zoltán Kodály und Béla Bartók, zwei ungarischen Komponisten, die systematisch diese Lieder sammelten und in ihren eigenen Kompositionen weiterverarbeiteten. So auch das Lied „Hej Vargáné“, hier in einer Fassung von Kodály:

Genau dieses Lied soll nun der ungarische „Baustein“ in der „Rhapsody of Berlin“ werden, dem Berliner Projekt im Gershwin-Experiment. Die Schüler haben den vierstimmigen Satz schon geübt, nun soll Dániel noch den letzten Schliff geben. Etwas schneller soll es werden, die Viertel nicht ganz so breit. Insgesamt etwas wilder, bitte! Auswendig können es die Schüler auch schon, das ist wichtig, denn ihr „Baustein“ wird nur ein Teil eines Stücks sein, in dem verschiedene Bausteine mit Hilfe der Zeichen- /Dirigiersprache Soundpainting zu einem neuen Ganzen zusammengefügt, bearbeitet und ergänzt werden.

Ein Schüler demonstriert unter Anleitung von Sabine Vogel den "Lautstärkeregler".

Ein Schüler demonstriert unter Anleitung von Sabine Vogel den „Lautstärkeregler“.

Die Zeichen dafür hat die Soundpainterin Sabine Vogel schon eine Woche vorher mit den Schülern geübt. Nach einigen Startschwierigkeiten waren sie voll bei der Sache, haben Zeichen gelernt für „Pointilism“, „1 Hit off“, „improvise“ oder „extended techniques“. Auch die Schüler selber durften versuchen, ihre Mitschüler per Sounpainting zu dirigieren. Hier ist es, wie so oft, nicht einfach – aber es macht Spaß!

Und dann wollen die Schüler noch ganz viel wissen von Dániel. Wie lange die Stücke im Profiorchester geübt werden (3 – 4 Tage, dann ist Konzert), wie er das in seiner Wohnung mit dem Üben macht (er hat eine Übekabine) und ob das Horn ein typisch ungarisches Instrument ist. Das sei es überhaupt nicht, meint Dániel, eigentlich seien die typisch ungarischen Instrumente eher die Streicher und die Klarinetten, aber die Blechbläser aus Ungarn seien einfach gut und erfolgreich, warum auch immer. Und was er am liebsten spiele? Strauss! Und deshalb hören die Schüler auch noch einen Ausschnitt aus seinem Hornkonzert.

Da sagen wir nur: helyeslés!