CHUNG Il-Ryun, RBB

Rhapsody der Kulturen

2015-09-02 14.12.29

Gayageum ???

Wie spricht man das denn bitte aus? Geduldig wiederholt Il-Ryun Chung die ungewohnte Aussprache. Die Achtklässler sind fasziniert, nicht nur von dem Namen sondern vor allem von den exotischen Klängen des koreanischen Instruments. „Schräg, aber cool“, sol lautet das Urteil.
Die Musikklasse 8 der Sophie-Scholl-Schule vertritt Korea – musikalisch, versteht sich. Sie sind Teil des RSB-Projekts „Rhapsody of Berlin“, das im Rahmen des „Gershwin-Experiments“ stattfindet.
Wie klingt Berlin heutzutage? Die eine Musik gibt es in einem kulturellen Schmelztiegel der Kulturen wie Berlin nicht. Aber man kann versuchen, die Spannweite der musikalischen Einflüsse abzubilden. Verschiedene Klassen beschäftigen sich daher über Wochen mit Musik anderer, in Berlin präsenter Kulturen. Ein kleines, typisches Musikstück „ihres“ Landes studieren sie zusammen mit Profi-Musikern ein. Beim Treffen aller Klassen werden dann diese musikalischen Bausteine auf unterschiedlichste Art zusammengesetzt, bearbeitet, miteinander verwoben. Ein Mix der Kulturen – typisch Berlin eben.

2015-09-02 14.12.14Die Achtklässler erarbeiten ihren Baustein gemeinsam mit Musikern des AsianArt Ensembles, einem gemischten Ensemble aus deutschen und koreanischen Musikern. Neben dem Gayageum, einem zitherähnlichen Instrument haben sie auch eine Changgu mitgebracht, die für Korea typische sanduhrförmige Trommel. Als Yujin Sung und Hong Yoo ein Stück auf den Instrumenten vorspielen, herrscht konzentrierte Stille im Klassenzimmer. Anschließend ist ein Duo von Haydn für Geige und Cello zu hören – klassische europäische Musik. Welche Unterschiede ihnen auffallen, möchte Il-Ryun Chung von den Schülern wissen. „Die koreanische Musik ist nicht so dicht, es gibt nur eine Melodie und Rhythmus.“, diese Aussage eines Schülers bestätigt er und erläutert, dass die traditionelle koreanische Musik im Gegensatz zur europäischen kein Harmoniesystem kennt.

Wer einmal in die „schrägen aber coolen“ Klänge hineinhören möchte, kann hier Yujin am Gayageum und Il-Ryun an der Changgu hören und sehen:

Plötzlich entsteht Getuschel unter den Schülern. „Woher kommen die eigentlich, Nord- oder Südkorea?“ – „Süden natürlich, aus dem Norden kämen sie doch gar nicht raus!“ – „Frag sie doch!“ Als schließlich ein Schüler Il-Ryun die Frage nach seiner Herkunft stellt, ist die Antwort schon fast ein Klassiker: „Woher ich komme? Aus Frankfurt am Main.“

Er ist in Frankfurt geboren, damals das einzige Kind asiatische Abstammung weit und breit. Heutzutage in Berlin ist das ganz anders. Die asiatischen Kulturen sind im Stadtbild fast überall präsent. Doch was kennen die Schüler aus Korea wirklich? Samsung und LG kenne alle, eine Schülerin hat schon mal koreanisch gegessen. Aber die Musik kannte keiner – bis heute.

Zuletzt wird dann noch die Daegeum vorgestellt, eine traditionelle Flöte aus Schilfrohr. Im Prinzip funktioniert sie wie eine Querflöte, nur gibt es noch eine Membran, die mitschwingen kann und so den typischen, leicht schneidenden Klang bewirkt. Und die Flöte hat keine Klappen, keine Technik, nur sechs Löcher. Auch das ist typisch für die koreanische Musik, wie Il-Ryun erzählt. „Die koreanische Musik ist einfach noch näher an der Natur.“

Weiter geht es noch nach Argentinien, nach Ungarn, in die Türkei und nach Frankreich. Zum Abschluss wird ein Ausschnitt des Projekts am 12. November live in Berlin präsentiert.