BR/Astrid Ackermann

response-Workshop zur „Rhapsody“

„Vor dem Workshop habe ich mich gefragt: Wie soll das gehen, dass wir mit unseren Händen Musik machen?“, erzählt die 11-jährige Ogechi aus Spanien. Sie lebt seit gut einem Jahr in Deutschland und besucht eine Übergangsklasse in der Mittelschule Blumenau. Zusammen mit 14 anderen Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Nationen lernt sie gerade Deutsch. Aber in dieser Schulwoche ist alles anders als sonst.

Musik mit den Händen machen

Die Kinder machen Musik. Sie stehen im Kreis und klatschen, schnipsen, trommeln sich auf die Brust oder schlagen sich auf die Schenkel. In der Mitte steht Fraser Trainer, ein response-Pädagoge aus London. Er ist extra nach München gereist, um ein paar Tage mit der Klasse zu arbeiten. Unterstützt wird er von drei Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die Kinder sollen ihre eigene Interpretation von Gershwins ‚Rhapsody in Blue‘ erarbeiten – mit Klanghölzer, Trommeln, Kuhglocken, Xylophonen…

Gershwins Rhythmen auf Kuhglocken & Co

Aber zuerst üben sie verschiedene Rhythmen, indem sie klatschen und ihren eigenen Körper nutzen um Töne zu erzeugen, Body Percussion heißt das. Die Kinder schnipsen, klatschen und trommeln. Konzentriert lauschen sie den unterschiedlichen Geräuschen, die sie mit ihren Händen und Körpern erzeugen. Eine Woche lang übt die Klasse täglich mit Fraser Trainer – erst die Rhythmen, dann geht es an die Instrumente. Im Zentrum stehen Rhythmen und Melodien aus Gershwins „Rhapsody in Blue“. Die Kinder haben ein großes Ziel: Ein Auftritt – direkt vor dem Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im Foyer des Münchner Herkulessaals. Die Chancen stehen nicht schlecht: Fraser Trainer staunt, wie viel die Kinder einer Woche Training gelernt haben.

„Ich finde, die Entwicklung bei den Schülern ist wirklich enorm. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir angefangen haben mit ihnen zu arbeiten, haben sie sehr wenig Musik gemacht. Deswegen haben wir auch bei den Grundlagen angefangen – wie Metrum, Rhythmus und Tonhöhe. Und sie haben in diesen fünf Tagen enorme Fortschritte gemacht. Diese Entwicklung war von Anfang an zu spüren.“Fraser Trainer

Trommeln mit den Profis

Anfang Oktober präsentierten die Schülerinnen und Schüler dann ihre Version von Gershwins ‚Rhapsody‘ bei pre-concert. Im Orchesterkonzert im Anschluss wird das Publikum George Gershwins ‚Rhapsody in Blue‘ für Klavier und Orchester im Original hören. Unterstützt werden sie von den drei Musikern aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die auch schon bei der Workshop-Woche dabei waren. Klarinettist Werner Mittelbach ist von der Zusammenarbeit mit den Jugendlichen ganz begeistert.

„Ich bin immer wieder überwältigt und fast gerührt wie die Kinder in so ein Projekt einsteigen. Mit welcher Begeisterung! Und dass es möglich ist, neben dem was wir machen, nämlich Musik auf höchstem Niveau, dass wir doch auch mit einfachsten Mitteln mit Kindern, die zum ersten Mal damit in Berührung kommen, solche Freude auslösen können.“Werner Mittelbach
Ausschnitt Nr. 1

Ausschnitt Nr. 2

Ausschnitt Nr. 3

Eigene Gershwin-Fassung im Konzert

Es ist ein Highlight für die Schüler, als sie auf der kleinen Bühne im Foyer des Münchner Herkulessaals stehen und ihr Stück dem Publikum präsentieren. Man sieht ihnen die Konzentration an. Sie sind nervös und wollen ihre Sache so gut wie möglich machen. Als sie stürmischen Applaus ernten, strahlen sie übers ganze Gesicht – so wie der elfjährige Oskar aus Polen: „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das Schönste war, dass wir hier alle zusammengearbeitet haben.“ Oskar möchte nun endlich Gitarre lernen, nachdem er schon ein Instrument zuhause stehen hat. Und auch Ogechi merkt, dass sich etwas in ihrer Art Klänge wahrzunehmen verändert hat: „Ich finde, jetzt wo wir Musik zusammen machen, höre ich plötzlich besser.“