New York goes Neukölln

George Gershwin

George Gershwin

George Gershwin – diesen Komponisten kennen die Schüler jetzt. Seit vier Tagen hat sich Klasse 5b der Neuköllner Konrad-Agahd-Schule mit dem Komponisten und seiner „Rhapsody in Blue“ beschäftigt. Seiner Lebensgeschichte gelauscht, wie der kleine George die Liebe zur Musik entdeckte, es aber keiner wissen durfte. Sonst wäre er ein Muttersöhnchen gewesen, er, der sich doch sonst so gerne prügelte und Rollschuh fuhr.

RSB-Posaunist Edgar Manyak

RSB-Posaunist Edgar Manyak

Seine Rhythmen aus der Rhapsody haben sie nachgeklatscht. Eine New York-Collage haben sie entworfen aus aufgeklebten und gemalten Noten, Hochhäasern, Zeitungsausschnitten. Die Posaune haben sie kennengelernt und ihren Spieler, den Soloposaunisten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin Edgar Manyak. Alle meine Entchen hat er für sie in der klassischen und in der Jazz-Version gespielt. Selber haben sie Posaunen aus Plastikrohren gebaut. Und unzählige Male haben sie der Reporterin Katharina Höhne ins Mikro gesprochen, denn aus alldem soll am Ende eine Sendung für Radio Kakadu werden, der Kindersendung auf Deutschlandradio Kultur.

Am Donnerstag dann der Höhepunkt: Besuch im Haus des Rundfunks! Das RSB probt die Rhapsody in Blue unter der Leitung von Lahav Shani, der gleichzeitig auch den Klavierpart übernimmt. Die Schüler sind gespannt wie Flitzebogen. „Wann dürfen wir endlich rein?“ Es ist kaum auszuhalten, dass sie noch warten müssen, bis das Stück davor zu Ende geprobt ist.

Als sie endlich in den Saal dürfen, ist erst einmal Erstaunen angesagt. Wie viele Musiker das sind. Wie jung der Dirigent ist. Wie schnell er Klavier spielen kann. Als es dann „richtig“ losgeht, hält es die Schüler kaum auf ihren Sitzen. Sie wippen im Takt und dirigieren mit. Sie halten es beinahe eine Stunde lang auf ihren Plätzen aus! Wer hätte das gedacht, nachdem sie zu Beginn der Woche kaum ein mal fünf Minuten zuhören wollten, wenn die Musik von der CD zu hören war.

Lahav Shani und Katharina Höhne mit den Schülern

Lahav Shani und Katharina Höhne mit den Schülern

Zu guter Letzt ist dann noch Fragestunde mit Lahav Shani. „Bist Du Israeli?“, lautet eine der ersten Fragen. „Ja“. „Magst Du Palästina?“ „Ich mag die Palästinenser.“ „Ich bin Palästinenser.“ „Na siehst Du, dann mag ich Dich!“ Nachdem das geklärt ist, geht es auch um die Musik. Ist es schwer, gleichzeitig zu dirigieren und Klavier zu spielen? Ja, schwieriger als er dachte. Wo er überall dirigiert? Auf der ganzen Welt. Gerade war er in den USA, aber auch immer wieder in Israel. Wie er zum Dirigieren gekommen ist? Der Vater ist auch Dirigent. Ob er lieber Klassik oder Jazz mag? Beides. Die Schüler bestürmen Lahav, wollen dicht an ihn heran, als erste ihre Fragen stellen. Nach nahezu zwei Stunden verlassen sie schließlich das Haus des Rundfunks voller Eindrücke und Melodien im Kopf. Und ein Komponistenname wird ihnen jetzt immer einfallen, wenn man sie fragt: George Gershwin.

Die Sendung mit den Schülern über Gershwins Rhapsody in Blue ist zu hören am 11. November 2015 ab 15 Uhr in „Radio Kakadu“ auf Deutschlandradio Kultur.

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Pausengespräch im Sendesaal