BR

Mariss Jansons

Mariss Jansons ist einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. Der heute 72-jährige Maestro kam 1943 in Riga, der Hauptstadt von Lettland, zur Welt. Seine Mutter war Sängerin, sein Vater Dirigent. So kam Jansons schon sehr früh mit Musik in Berührung. Schon als kleines Kind schlüpfte er spielerisch in die Rolle eines Dirigenten und arrangierte Knöpfe, denen er verschiedene Orchesterinstrumente zuwies.

Als Jansons noch ein Schulkind war, zog zunächst sein Vater von Riga nach Leningrad – dem heutigen St. Petersburg -, er hatte nämlich eine Stelle bei den Leningrader Philharmonikern angenommen. Mariss folgte mit seiner Mutter erst etwas später nach. Noch später studierte Mariss Jansons selbst am dortigen Konservatorium Geige, Klavier und Dirigieren. Als Teenager interessierte er sich allerdings nicht nur für Musik, sondern auch für Fußball. Jansons spielte Fußball leidenschaftlich und gut, sodass ihm sogar ein Trainer vorschlug, Profikicker zu werden. Aber es siegte doch seine Liebe zur Musik. Seine Ausbildung in Dirigieren am Leningrader Konservatorium schloss Jansons mit Auszeichnung ab.

1969 gelang ihm, ein weiteres Studium bei Hans Swarowski in der Musikstadt Wien zu beginnen. Das war damals wegen des „Eisernen Vorhangs“ gar nicht so einfach: nur durch eine Art „Kulturaustausch“ zwischen Ost und West war dies möglich geworden. 1971 war Mariss Jansons Preisträger beim Dirigentenwettbewerb der Herbert-von-Karajan-Stiftung in Berlin . Herbert von Karajan selbst förderte den jungen Musiker ebenfalls. Außerdem ist Mariss Jansons durch einen seiner Lehrer in der Heimat besonders stark geprägt worden: Jewgenij Mrawinskij, einem der bedeutendsten Dirigenten der Sowjetunion.

Jansons war noch keine 30 Jahre alt, als seine Karriere als Dirigent begann. Zunächst dirigierte er – wie auch sein Vater – die Leningrader Philharmoniker. Zudem übernahm er eine Professur für Dirigieren am dortigen Konservatorium. 1979 begann Jansons als Chefdirigent des Osloer Symphonieorchesters in Norwegen, welches er im Laufe von 21 Jahren zu einem internationalen Spitzenorchester formte. Während der letzten Jahre seiner Tätigkeit in Oslo war er nicht nur Erster Gastdirigent des London Philharmonic Orchestra (1992-1997), sondern auch Musikdirektor beim Pittsburgh Symphony Orchestra in den USA (1997-2004).

Mariss Jansons

Mariss Jansons ist seit 2003 Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

2003 wurde Jansons, inzwischen 60 Jahre alt, Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – als Wunschkandidat aller der hiesigen Musiker. Ein Jahr später übernahm er zusätzlich die Leitung des Koninklijk Concertgebouworkest in Amsterdam. In diesem Jahr hat er dort seine Position als Chefdirigent nach elf erfolgreichen gemeinsamen Jahren beendet. Seinen Vertrag bei Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wird er bis 2021 verlängern.

Herausragend sind Jansons‘ CD-Einspielungen aller Symphonien von Beethoven und Schostakowitsch. Neben unzähligen Auszeichnungen und Preisen hat er zum Beispiel für eine Aufnahme von Schostakowitschs 13. Symphonie zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einen Grammy erhalten.

Konzerttourneen führen Jansons durch die ganze Welt. Dazu gehören unter anderem Gastspiele in führende Musikzentren und zu namhaften Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival und den Proms in London, außerdem regelmäßige Auftritte in den USA und Japan, sogar in Australien.

Ein bemerkenswertes und eindrucksvolles Erlebnis war 2007 das Gastspiel mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bei Papst Benedikt XVI. im Vatikan.
Junge Menschen für klassische Musik zu begeistern, das ist Mariss Jansons besonders wichtig. So arbeitet er beispielsweise regelmäßig mit dem Bayerischen Landesjugendorchester zusammen. Außerdem schätzt und unterstützt er die Zusammenarbeit mit der Orchesterakademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, die junge Talente nach abgeschlossenem Studium auf die Laufbahn als Berufsmusiker vorbereitet.

Mariss Jansons dirigierte 2006 zum ersten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Mariss Jansons dirigierte 2006 zum ersten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Neben seiner Tätigkeit bei Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks konzertiert Jansons als Gastdirigent immer wieder mit anderen Spitzenorchestern der Welt. Am 1. Januar 2016 wird er zum dritten Mal das berühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren, das jedes Jahr von mehr als 50 Millionen Fernsehzuschauern live auf allen Kontinenten mitverfolgt wird.

Für seine herausragende Arbeit als Dirigent wurden Jansons zahlreiche Preise und Ehrungen verliehen, wie z.B. 2013 der Ernst von Siemens Musikpreis, der als Nobelpreis der Musik gilt, oder das „Große Bundesverdienstkreuz mit Stern“ durch Bundespräsident Joachim Gauck.

Die Liebe zum Fußball blieb Jansons erhalten. 2006 dirigierte er bei der Eröffnung der Fußball-WM im Münchner Olympiastadion, und wenn ihm die Zeit bleibt, geht er heute auch einmal als Zuschauer in die Allianz Arena in München.