Denis Matsuev

Wenn Denis Matsuev über die Rhapsody in Blue spricht gerät er ins Schwärmen. „Es war eine emotionale Explosion“, beschreibt er seine Gefühle beim ersten Hören. Kein Wunder, der Jazz ist ihm in die Wiege gelegt worden. Matsuevs Vater ist Pädagoge, Komponist, klassischer Pianist und eben auch Jazz-Pianist. Schon als Kind habe er Jazz-Aufnahmen gehört und seinem Vater beim Jazz spielen zugehört, berichtet der Pianist dem Bayerischen Rundfunk im Interview. „Ich hab es als Kind aufgesogen – es hat mir gut gefallen und ich habe angefangen zu improvisieren – als ganz kleines Kind“, erzählt er begeistert.

Seinen Erfolg begründete Matsuev allerdings mit klassischer Musik. Mit 23 Jahren gelang ihm 1998 ein glänzender Sieg beim 11. Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Die Grundlagen für diesen Erfolg, der ihn als einen der meistgefragten Interpreten seiner Generation etablierte, legten seine Eltern. Die beiden Musiker erkannten schon beim dreijährigen Matsuev eine große Begabung, die sie tatkräftig förderten. Sein Vater wurde sein erster Klavierlehrer, anschließend studierte er in seiner Heimatstadt Irkutsk bevor er als 15-Jähriger seine Ausbildung am Moskauer Konservatorium fortsetzte.

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Rhapsody in Blue

Matsuev hat Gershwins Rhapsody in Blue über 100 Mal in Konzerten gespielt. Für ihn ist sie eines der ganz großen Klavierkonzerte, „ein Hit für alle Zeiten.“ Auf einer Ebene mit dem 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky oder dem 3. Konzert von Rachmaninoff. Matsuev kennt die Rhapsodie seit er ein Kind war. Zuerst habe er, als er sie zum ersten Mal hörte, versucht sie auf dem Flügel nachzuahmen – nach Gehör, mit Phantasie und Improvisation. Seitdem sei sie eines seiner Lieblingswerke geworden, erzählt er im Interview. Das liegt auch daran, dass sich das Stück hervorragend zum Improvisieren eignet. Gerne spielt Matsuev nach Konzerten noch eigene Improvisationen über die Rhapsodie.

Für die Jugend

Matsuev spielt Gershwins bekanntestes Werk auch oft bei den vielen Festivals auf denen er eingeladen ist. Ob bei den Festspielen in Edinburg, dem Chopin-Festival in Polen oder den BBC Proms, er war schon überall zu Gast. Neben Gershwin, gilt Matsuev Liebe aber natürlich der russischen Musik. Auch bei seinem letzten Auftritts mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Dezember 2004 spielte er unter der Leitung von Mariss Jansons ein russisches Stück: Rodion Schtschedrins Fünftes Klavierkonzert.

Neben seinen Konzerten leitet Matsuev die „New Names“ Stiftung. Sie fördert junge Musiker. „Es ist sehr wichtig, der neuen Generation zu helfen“, so Matsuev. Gerade die Rhapsody, „dieses Goldstück der großen Klassischen und Jazzliteratur“, eignet sich für den Pianisten ganz besonders um die Jugend an die Klassik heranzuführen. Und das sei wichtig, denn „die jungen Leute sollten eine Vorstellung davon bekommen, dass es nicht nur die Popmusik gibt, sondern dass es auch die klassische Musik existiert“. Klassische Musik sei gut für die Seele, für die Bildung und für assoziatives Denken. Dass es mit der klassischen Musik irgendwann vorbei sein könnte, befürchtet Matsuev auf jeden Fall nicht: „Ich glaube, dass klassische Musik unsterblich ist. Sie wird noch in 100 oder 200 Jahren erklingen.“